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Die Tulpenzwiebelspekulation

Tulpen wurden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in den Niederlanden in den Gärten sozial gehobener Schichten kultiviert. Sie entwickelten sich nach und nach zu Liebhaberobjekten, die anfangs getauscht, später auch kommerziell gehandelt wurden. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entwickelte sich aus der großen Nachfrage nach Tulpenzwiebeln die erste Spekulationsblase in der Wirtschaftsgeschichte – die Tulpenzwiebelspekulation, die auch als Tulpenmanie oder Tulpenfieber bezeichnet wurde.

Der Tulpenhandel entwickelte sich in den Niederlanden bereits im 16. Jahrhundert. Tulpen wurden zu dieser Zeit vor allem von Aristokraten und wohlhabenden Bürgern geschätzt, denn Tulpen galten zu dieser Zeit als eine der edelsten Blumen. Diese wurden aus dem Osmanischen Reich importiert und waren vor allem aufgrund ihrer Neuartigkeit, aber auch ihrer Exklusivität und der Dekorationskraft beliebt. In den Anfängen wurden die Tulpen vor allem im Privatbesitz von Liebhabern kultiviert, die sehr aufwändig gezüchtet wurden. In diesem Zusammenhang gelang auch die Entwicklung neuer Sorten, die jedoch sehr selten zu finden und deshalb sehr begehrt waren. Etwa in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden Tulpenzwiebeln dann nicht mehr nur getauscht, sondern erstmals auch gehandelt. Da es aus dieser Zeit nur wenige Aufzeichnungen gibt ist es heute schwierig, die genauen Preise für Tulpenzwiebeln nachzuvollziehen. Hinzu kommt, dass Tulpen nicht nur beim Züchter, sondern auch auf Auktionen und an Terminbörsen gehandelt werden konnten, wodurch unterschiedlich hohe Preise erzielt wurden. Aufzeichnungen zeigen jedoch, dass es bei besonders seltenen Sorten bereits um 1620 möglich war, hohe Preise zu erzielen. Zu Beginn der 1630er Jahre war dann zu beobachten, dass die Tulpenpreise stetig stiegen, bei einigen Sorten war sogar ein Anstieg von 100-200 Prozent zu beobachten.

Der Höhepunkt der Tulpenzwiebelspekulation in Holland war die Weeskamer-Versteigerung, die am 05. Februar 1637 in Alkmaar stattfand. Den damaligen Aufzeichnungen zufolge war es damals möglich, für 99 Posten Tulpenzwiebeln einen Preis von 90.000 Gulden zu erzielen. Da jedoch nicht bekannt ist, für welche Posten dieser Betrag bezahlt wurde, sind die Preise einzelner Tulpenzwiebeln nicht bekannt. Für eine einzige Tulpe der Sorten „Viceroy“ wurden nachweislich jedoch um 4.200 Gulden bezahlt, für die Sorte „Admiral von Enchhysen“ bezahlten Sammler sogar einen Preis von rund 5.200 Gulden. Diese hohen Preise wurden bezahlt, obwohl das durchschnittliche Einkommen eines Niederländers zu dieser Zeit etwa 150 Gulden betrug. Selbst ein Haus an der Amsterdamer Gracht, einem der renommiertesten Wohnviertel, kostete nur um 10.000 Gulden. Es hatte sich bezüglich der Tulpenzwiebeln also eine Spekulationsblase gebildet, die es bisher in der Geschichte noch nicht gegeben hat.

Bereits zwei Tage vor der oben benannten Auktion, auf der die bisher höchsten Preise für Tulpenzwiebeln bezahlt wurden, begann anderswo bereits der Preisverfall der Tulpen. Dieser begann, als bei einer der unzähligen Wirtshausversteigerungen nicht der gewünschte Preis für die angebotenen Tulpen erzielt werden konnte, da das Angebot die Nachfrage deutlich überstieg. In der Folge traten keine neuen Kunden in die sich bis dahin immer schneller drehende Preisspirale für Tulpen, denn von weiter steigenden Preisen konnte nun nicht mehr ausgegangen werden. Aufzeichnungen belegen, dass die Preise für Tulpenzwiebeln daraufhin um gut 95 Prozent einbrachen. Ein solcher Preissturz sorgte jedoch für hohe Verluste, insbesondere bei Händlern, die an der Terminbörse agierten. So verpflichteten sich Käufer bereits im Vorjahr zur Pflanzsaison, die Tulpenzwiebeln im Frühjahr zu dem ehemals vereinbarten Preis abzunehmen, obwohl dieser bereits deutlich reduziert war. Verkäufer hingegen konnten ihre jetzt nahezu wertlos gewordenen Tulpenzwiebeln dennoch zu attraktiven Preisen verkaufen. Allerdings traten viele Käufer von ihren Verträgen zurück, was wiederum für Ärger sorgte. In den folgenden Monaten mussten sich sowohl die Gerichte wie auch die Ratsherren der Städte darum bemühen, zwischen den Blumenhändlern zu verhandeln, um große Streitigkeiten zu beiseitigen und weitere Unruhen zu vermeiden.

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