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Eisenbahnaktienhausse

Die Anfänge der Eisenbahn in Deutschland
Das Eisenbahnzeitalter ist in Europa ein wichtiger Schritt, denn mit diesem neuen Transportmittel eröffneten sich schier unendliche Möglichkeiten, sowohl im Rahmen der Personenbeförderung wie auch im Gütertransport. Die erste Eisenbahnstrecke wurde in Deutschland am 7. Dezember 1835 eröffnet, es war die Strecke von Nürnberg nach Fürth. Nach diesem Erfolg wurden zahlreiche weitere Eisenbahngesellschaften gegründet, die ebenfalls Strecken errichteten, um hiermit Gewinne zu erzielen. Ebenfalls 1835 wurde die „Dresden-Eisenbahn-Compagnie“ gegründet, die 1837 die Stecke zwischen Leipzig und Althen eröffnete. Die gesamte Strecke von Dresden nach Leipzig konnte dann 1839 in Betrieb genommen werden. Hier fuhr dann auch die „Saxonia“, die erste in Deutschland produzierte Dampflokomotive. Ende des 19. Jahrhunderts folgte dann die Strecke München – Augsburg, die von der Maximiliansbahn befuhren wurde. Die Gesamtstrecke wurde 1840 eröffnet, im gleichen Jahr folgte auch die Eröffnung der Taunusbahn, die zwischen Frankfurt und Wiesbaden fuhr.

Die Folgen für die Wirtschaft
Die Eröffnung der genannten Bahnstrecken verursachten enorme Vorteile für die jeweiligen Regionen. So war es nun möglich, hunderte von Menschen gleichzeitig zu transportieren, auch konnten zahlreiche Tonnen Agrarrohstoffe und Konsumgüter befördert werden. Hierdurch konnte die Produktion stark steigen, gleichzeitig wurde die Qualität verbessert und die Preise reduziert. Doch nicht nur vor Ort, auch an der Börse sorgte der Boom der Eisenbahn für einen wahren Freudentaumel. Viele Eisenbahngesellschaften waren als Aktiengesellschaften gegründet, da nur so die ausreichenden Mittel zur Finanzierung der Strecken zur Verfügung gestellt werden konnten. Da viele Anleger gleichzeitig in diesen Sektor investieren wollten, stiegen die Aktien der Eisenbahngesellschaften oft bereits wenige Monate nach ihrer Emission um 200-300 Prozent. Neuemissionen waren oft überzeichnet, wer doch eine Aktie ergattern konnte, verkaufte diese wenig später mit enormen Gewinnen. Die Aktien der Taunusbahn beispielsweise waren vierzigfach überzeichnet, bei der Erstnotiz konnten Anleger einen Gewinn von etwa 70 Prozent generieren. Die hohen Renditen von Eisenbahnaktien waren anfangs durchaus durch entsprechende Gewinne der jeweiligen Unternehmen gedeckt. Dann jedoch folgte die Wirtschaftskrise der Jahre 1836-1838.

Die Spekulation mit Eisenbahn-Aktien
Der Handel mit Eisenbahnaktien war zu dieser Zeit sowohl im üblichen Kasse-Handel wie auch über Termingeschäfte möglich. Sogar das Optionsgeschäft konnte sich in diesen Jahren etablieren und wurde zu einem wichtigen Instrument für Spekulanten. Obwohl die Wirtschaftskrise die Gewinne der Eisenbahnunternehmen senkte, erlebte die Spekulation nachfolgend ein Revival und wurde zum wichtigsten Anlageinstrument. Ursache für die Investments in Eisenbahnaktien war ein Verbot der preußischen Regierung, in Termin- und Optionsgeschäfte nichtpreußischer Anbieter zu investieren. Im Jahr 1842 reduzierte die Regierung dann auch noch die Verzinsung auf Staatsanleihen, die dann nur noch 3,5% statt bisher 4% p.a. betrug. Diese garantierte Rendite konnten Anleger jedoch auch bei einem Investment in Eisenbahnaktien erhalten, denn das Kabinett garantierte diese Rendite bei einer Investition in bereits genehmigte Eisenbahngesellschaften. Diese Entwicklung sorgte dafür, dass auch die Zahl der börsennotierten Eisenbahngesellschaften anstieg. Waren im Jahr 1841 lediglich vier Unternehmen notiert, stieg deren Zahl im folgenden Jahr bereits auf sieben. Nur elf Monate später gab es in Deutschland bereits 17 börsennotierte Eisenbahngesellschaften.

Die neue Eisenbahn-Hausse
Die Zinsgarantie der Regierung sowie die Möglichkeit, binnen kurzer Zeit wieder hohe Gewinne zu realisieren, schürten nun in den Jahren 1842 und 1843 erneut die Eisenbahn-Hausse. Als Beispiel sei der Kursanstieg der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn Gesellschaft AG genannt. Ihr Kurs stieg von November 1842 bis April 1843 um 40 Prozent. Diese Erfolgsstory konnte zudem noch eine ganze Zeit lang Aufrecht erhalten werden. So gab die Regierung neue Zinsgarantien, so dass vermehrt Anleger in Eisenbahnaktien investierten. Sogar Großemissionen waren mehrfach überzeichnet, die Gewinnaussichten waren rosig. Die Zeichnungsgewinne bei Neuemissionen betrugen zwischen 20-30 Prozent, die Neuemission der Köln-Krefelder Eisenbahn im April 1844 war 21fach überzeichnet. Um sich die Chance auf derart hohe Gewinne zu sichern, gewann auch der außerbörsliche Handel an Bedeutung. Begünstigt wurden derartige Spekulationen zusätzlich durch die Tatsache, dass bei Zeichnungen nicht immer der gesamte Anlagebetrag sofort eingezahlt werden musste, sondern später erfolgen konnte.

Die Sorge der Regierung
Die preußische Regierung verfolgte die Eisenbahnaktien-Hausse mit Sorge. Aus diesem Grund durften ab April 1844 nur noch Eisenbahngesellschaften Bau-Konzessionen erhalten, die bereits eine Zinsgarantie besaßen. Lediglich wenige Ausnahmen sollten gebilligt werden. Aufgrund der möglichen Ausnahmeregelung und der Unkenntnis der Anleger, welche Aktien hiervon betroffen sind, konnte dieser Intervention der Hausse keinen Abbruch tun. Im Mai 1844 erzielten viele Eisenbahnaktien ihren bisherigen Höchststand. Da die Regierung keinen Erfolg erringen konnte, verkündete der preußische König im Mai 1844, dass Neugründungen von Eisenbahngesellschaften künftig untersagt würden, auch weitere Aktienausgaben seien nicht mehr möglich. Letztlich wollte der König sogar Emittenten und Makler von Termingeschäften mit einer Strafe belegen.

Das Ende der Aktien-Hausse
Dies führte nun zu einer Art Panik, in der Anleger versuchten, ihre Aktien auf den Markt zu werfen, auch einzelne Objekte wurden von den Gesellschaften abgestoßen. Sogar ein Einlenken der Preußischen Bank oder der Preußischen Seehandlung brachten nicht die gewünschte Wirkung. Die Aktien verfielen immer weiter. Erst Ende des Jahres 1844 konnte diese Entwicklung gestoppt werden, Anfang 1845 stabilisierten sich die Kurse sogar wieder. Bis zum Mai 1845 erlebten Eisenbahnaktien gar eine Renaissance und konnten sich bis auf alte Höchststände hocharbeiten. Dann jedoch war das Ende der Eisenbahnaktien-Hausse erreicht. Die Kurse verfielen erneut, vor allem Unruhen im Ausland wurden kritisch beäugt. Durch eine Diskontsatzerhöhung der Preußischen Bank Ende 1846 gerieten die Aktienwerte erneut unter Druck. Sogar ein Verbot von ausländischen Notierungen konnte dem negativen Trend nicht mehr entgegen wirken. Als dann in den Jahre 1845 und 1846 die Stimmung in der Bevölkerung aufgrund zweier Missernten zunehmend schlechter wurde und auch die politische Situation keine Stabilität mehr bot, reduzierten sich die Kurse weiter. In der Folge der Revolution in Deutschland sanken die Kurse vom 31 März bis zum 23 Mai 1848 auf einen bisher nicht gesehenen Tiefststand. Auch nach der Beruhigung der politischen Lage konnten Eisenbahnaktien ihre Höchststände nicht mehr erreichen, denn vielen Deutschen war die Lust aus Spekulieren vorerst vergangen. Und dies, obwohl die Eisenbahngesellschaften ihren Siegeszug fortsetzten und ein dichtes Eisenbahnnetz in Europa schufen.

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