Aus aktuellem Anlass nehmen wir an dieser Stelle, heute im Februar 2016, die Themen: Ölpreisverfall, Energiewende und Elektromobilität auf und zeigen, wo das Dilemma in dem Zusammenhang liegt.
Wer hätte in den Jahren vor der Finanzkrise 2008 und zwischen 2010 und 2013 bei einem Rohölpreis von über 100 USD vermutet, dass wir noch einmal einen Ölpreis von unter 30 USD bekommen werden. Der damals so hohe Ölpreis hat die Gewinne der Ölunternehmen kräftig sprudeln lassen und neue Fördermethoden rentabel erscheinen lassen. In den USA wurde mit der Ölgewinnung durch Fracking begonnen. In Kanada wird Öl aus Ölsand gewonnen und die Tiefseeförderung hat weiter fahrt aufgenommen. Über die Umweltfolgen hat man sich nur wenig Gedanken gemacht. Heute bei einem Rohölpreis von 30 USD sind viele Ölförderarten unrentabel. Man kann daher nur hoffen, dass sich viele Ölförderunternehmen einen Rohölpreise von über 100 USD langfristig gesichert haben, sonst könnte die Förderung unwirtschaftlich werden. So ist zu beobachten, dass Ölförderländer mit niedrigen Förderkosten wie Venezuela, Nigeria und die Ölförderländer im nahen Osten wie Saudi Arabien und Iran bei diesen Preisen in Bedrängnis kommen. Um profitabel zu fördern benötigen diese Länder Preise von über 50 USD pro Barrel. Wobei die Spanne bei einzelnen Ölfeldern sehr groß ist. Von der teuren Ölsand- und Schieferölförderung ganz zu schweigen.
Der Wirtschaftswachstum und der zunehmende Wohlstand in China und anderer bevölkerungsreichen Ländern hat zu entsprechend starker Nachfrage geführt. Diese Tatsache hat auch die Angebotsseite auf den Plan gerufen und so entsteht bei nachlassender Weltwirtschaft ein Überangebot. Für eine massive Kürzung der Ölfördermenge konnten sich weder die OPEC-Staaten noch Russland durchringen.
Wegen den zeitweise hohen Ölpreis, des zunehmenden Umweltbewusstseins, der hohen Feinstaubkonzentration in den Städten und nicht zuletzt wegen der aufgedeckten Abgasmanipulation bei VW, durch die US-Umweltbehörde EPA, hat viele Autofahrer aufhorchen lassen und die “so sauberen Dieselmotoren” als ziemliche “Dreckschleudern” entlarvt. Die letzte ernsthafte Entwicklung bei der Abgasreinigung war wohl der Diesel-Rußpartikelfilter und der stammt aus dem Jahre 2000. Auf effizientere Verbrennungsmotoren warten Autofahrer vergebens. Die Alternativen sind Brennstoffzellen und Elektroautos mit Batterien. Letztere rund dreimal effizienter als Verbrennungsmotoren aber auch Brennstoffzellen sind deutlich effizienter als herkömmliche Verbrennungsmotoren.
Umstellung auf die Elektromobilität – Für und wider
Wie kann es gelingen fossile Brennstoffe zu schonen und die klima- und gesundheitsschädlichen Abgase (Stickoxide, Feinstaub und CO2) zu vermeiden? Wie ist der Stand heute Februar 2016?
Die Bundesregierung hat das Ziel eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 auf deutsche Straßen zu bringen. Eine Förderung in Höhe von 5.000 Euro pro Fahrzeug ist im Gespräch, doch wird das ausreichen? Das erste Problem ist, dass alte Techniken ungern den Weg frei machen für Neues – das war in der Geschichte schon immer so. Hufschmiede konnten sich sicherlich Städte ohne Pferde auch nicht vorstellen. Würden die großen Automobilhersteller parallel vollwertige Elektroautos herstellen und aktiv bewerben, würden sie doch ihre Kompetenz in den alten Technologien in Frage stellen. Zweites großes Problem ist, dass sich die Kompetenz der Entwicklungen der einzelnen Bereiche über die Jahre in Richtung der entsprechenden Zulieferer verlagert hat. Das dritte Problem ist die Eigentümerstruktur bei großen Automobilherstellern.
Bestandsaufname der aktuellen Elektrofahrzeugflotte und Ankündigungen
Elektroautos sind leise, umweltfreundlich und bieten besonderen Fahrspaß. Autofahrer erwarten dass mindesten drei Fahrzeugklassen von Kleinwagen über Mittelklassewagen und Oberklasse-Fahrzeuge angeboten werden. Alle mit einer gewohnten Reichweite von mindestens 300 km oder noch besser 400 bis 800 km. Bis auf einen Fahrzeugtyp zählen alle aktuell angeboten Fahrzeuge zu den Kleinwagen. Da wäre der Nissan Leaf ACENTA 30 kWh mit einer Reichweite von 199 km und einer Höchstgeschwindigkeit von 145 Km/h. Der VW e-Up mit einer Reichweite von 160 km oder der VW E-Golf mit einer Reichweite von 190 km. Der Kia Soul EV kommt 212 km weit und der Toyota Prius ist leider ein Hybrid, er schleppt noch ineffiziente Verbrennungstechnik mit sich mit. Im Mittelkassebereich (Fahrzeugklasse 3er und 5er BMW oder C- und E-Klasse von Mercedes) gibt es leider nichts im Angebot. In der Premium-Klasse finden wir den Tesla Model S 90D mit einer Reichweite von 550 km und einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Nachfolgend finden Sie eine tabellarische Auflistung weiterer Modelle. Es ist auch noch der SUV von Tesla mit der Bezeichnung Model X, mit einer ähnlichen Reichweite, für das zweite Halbjahr 2016 angekündigt. Volkswagen hat mit dem neuen Phaeton II und Porsche mit dem Mission E mit einer Reichweite von 500 km erst für 2018 Elektroautos in der Oberklasse angekündigt. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Kleinwagen mit Reichweiten von unter 200 km leider nur eine eingeschränkte Option sind. Im Mittelklassebereich gibt es kein aktuelles Angebot. In der Premiumklasse gibt es aktuell nur den Tesla Model S mit 550 km Reichweite und europaweit kostenlose Ladestationen (Supercharger), unabhängig von der aktuellen Diskussion über eine Lade-Infrastruktur der deutschen Autokonzerne. Der Toyota Mirai ist eine Mittelklasse-Limousine mit Brennstoffzellentechnik und einer Reichweite von 500 km. Der Honda FCV, für März 2016 angekündigt soll eine Reichweite von 700 km haben. Wasserstofftankstellen (H2-Stations) sind aber deutschlandweit sowie weltweit noch sehr rar.
| Marke | max. Reichweite nach NEFZ | Höchstgeschwindigkeit | ab Preis |
|---|---|---|---|
| BMW i3 | 160 km | 150 km/h | 34.950 Euro |
| Ford Focus Electric | 162 km | 137 km/h | 34.900 Euro |
| Kia Soul EV | 212 km | 145 km/h | 30.790 Euro |
| Mercedes B-Klasse Electric Drive | 200 km | 160 km/h | 39.151 Euro |
| Nissan Leaf ACENTA 30 kWh | 199 km | 144 km/h | 33.960 Euro |
| Peugeot iOn | 150 km | 130 km/h | 17.850 Euro |
| Renault Zoe | 240 km | 135 km/h | 21.500 Euro + Batteriemiete |
| Smart Electric Drive | 145 km | 125 km/h | 18.910 Euro + Batteriemiete |
| Tesla Model S 90D | 550 km | 250 km/h | 98.440 Euro |
| VW e-Up | 160 km | 130 km/h | 26.900 Euro |
| VW E-Golf | 190 km | 140 km/h | 34.900 Euro |
Die maximalen Reichweitenangaben können in der Praxis extrem variieren. Sie sind Abhängig von Außentemperatur, Fahrstrecke, Heizung, Fahrweise und Geschwindigkeit. Unter realen Verkehrsbedingungen sollte man bei der Reichweite 20-30% von den Angaben der NEFZ (Neuer-Europäischer-Fahrzyklus) abziehen.
Da auch bei den Elektroautos das gleiche gilt wie bei Smartphones, dass die Technik, Entwicklung und Patente von den unterschiedlichsten Zulieferern stammt, es eigentlich nur Visionäre mit dem nötigen Kleingeld wie Steve Jobs bei Apple oder Elon Musk bei Tesla braucht, um die Welt einen entscheidenden Schritt voran zu bringen.
Es ist interessant und beängstigend zugleich wie der Rohölpreis, die Wirtschaft und die Energiewende sowie die Elektromobilität zusammenhängen. Bestehende Industriezweige überflüssig macht und neue Industrien entstehen lässt. So werden künftig riesige Mengen an Batterien für Elektroautos als auch für Stromspeicher für Solar- und Windenergie benötigt. Aktuell werden Lithium-Ionen-Batterien (Li-Ion) verwendet. Die Entwicklung ist hier aber noch am Anfang. Mit marktreifen Batteriesystemen wie Lithium-Schwefel- (Li-S) oder Lithium-Luft-Akkus (LiO2) können Reichweiten um das 4 bis 10-fache bei gleicher Größe erreicht werden. Die großen Hersteller wie Samsung SDI und Panasonic werden die Entwicklung sicherlich weiter vorantreiben. Das fünf Milliarden Batterie-Joint-Venture der “Tesla Gigafactory” von Panasonic ISIN: JP3866800000 und Tesla in Sparks, Nevada hat gigantische Maßstäbe.
| Börse | Symbol | Kurs | Zeit | +/- | Volumen |
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