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Der Goldstandard

Im Mittelalter wurden Gold- und Silbermünzen in vielen Ländern Europas direkt als Zahlungsmittel eingesetzt. Noch von 1871 bis 1918 war die Goldmark offizielles Zahlungsmittel im Deutschen Kaiserreich. Doch zu dieser Zeit wurde außer mit traditionellen Edelmetallmünzen auch schon Banknoten gezahlt.

Bereits vor dem 18. Jahrhundert begannen die europäischen Staaten, das sich im Umlauf befindende Papiergeld durch das Hinterlegen von Edelmetall zu decken. Diese Rücklagen entsprachen dem Wert aller vorhandenen Geldscheine. Um die Stabilität einer Landeswährung zu garantieren, sollte immer soviel Edelmetall bei der Zentralbank eines Landes deponiert sein, dass jederzeit alle umlaufenden Banknoten dagegen eingetauscht werden können.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten alle wirtschaftlich maßgeblichen Nationen der Welt den Goldstandard eingeführt, der in manchen Ländern, wie beispielsweise Deutschland, den Silberstandard ablöste.

Der Goldstandard ist die Deckung einer Landeswährung durch Gold, unter Wahrung eines festgelegten Umtauschverhältnisses. Wegen der Seltenheit und des relativ stabil hohen Goldwertes versprach man sich durch die Einführung des Goldstandards eine Steigerung der internationalen Anerkennung der Landeswährung. Der Goldstandard ist das bedeutendste währungsdeckende System, das es je gab.

Das erste Land, das den Goldstandard einführte, war die damalige Weltmacht Großbritannien. Es folgte die ebenfalls bedeutende Seefahrts- und Handelsnation Holland. Dort wurde der Goldstandard 1818 übernommen. Portugal führte den Goldstandard 1854 ein. Deutschland war weltweit der vierte Staat, der den Goldstandard übernahm, was kennzeichnend für die aufstrebende wirtschaftliche Entwicklung im 1871 gegründeten Deutschen Reich war. 2,79 Goldmark entsprachen einem Gramm Gold. Bis 1900 hatten auch Belgien, Italien, Frankreich, die Schweiz, die USA, Spanien, Österreich, Russland, Japan, die skandinavischen Länder und Indien den Goldstandard vollständig für ihre Landeswährung übernommen.

Die Umtauschverhältnisse waren an die damaligen Maßeinheiten für Gewichte gebunden. So entsprach ein Britisches Pfund 113 grain Gold (etwas weniger als siebeneinhalb Gramm). Ein Holländischer Gulden entsprach etwa 0,6 Gramm Gold und ein Japanischer Yen konnte theoretisch in 1,5 Gramm Gold umgetauscht werden. Frankreich, Belgien, Italien und die Schweiz bildeten 1865 eine Währungsunion, die lateinische Münzunion. Die gemeinsame, frei konvertierbare Währung war der Franc, der zusätzlich zur Binnenwährung jedes teilnehmenden Landes galt. Die lateinische Münzunion führte, aufgrund der zunehmenden Silberentwertung, 1873 den Goldstandard ein. Das Umtauschverhältnis war 31 Francs zu 9 Gramm Gold. Außerhalb der lateinischen Münzunion galt dasselbe Umtauschverhältnis für die Finnmark und für Spanische Peseten. Etwas wertvoller war ein Rubel aus Russland. Hier entsprachen 31 Rubel dem Gegenwert von 24 Gramm Gold.

Eine zweite Währungsunion bestand zwischen den drei skandinavischen Ländern Dänemark, Norwegen und Schweden. Hier war das gemeinsame Zahlungsmittel die Krone. Der skandinavische Währungsverbund übernahm den Goldstandard 1875. Innerhalb dieser Währungsunion entsprachen 2,48 Kronen einem Gramm Gold.

Die Möglichkeit, alle privaten Geldvorräte bei der Landeszentralbank in Gold oder Goldmünzen umzutauschen, und damit dem Wertverfall des Geldes vorzubeugen, bestand in den meisten Ländern, in denen der Goldsstandard existierte nur in der Theorie. In der Realität wuchs die Geldmenge, die sich in Umlauf befand, schnell an, während die Goldreserven der Erde gleich bleiben. Der reine Goldstandard, also eine hundertprozentige Deckung der gesamten Geldmenge eines Staates durch Gold existierte fast nirgends. Nur in Großbritannien war die Landeswährung Pfund Sterling zu hundert Prozent mit Gold gedeckt. Deshalb wurde damals das Pfund von vielen Ländern als Geldreserve genutzt.

Während der Kriege wurde das theoretisch existierende Umtauschrecht der Geldscheine in Gold oder Goldmünzen außer Kraft gesetzt: in England, wo der Goldstandard schon sehr früh existierte, im Krieg gegen Napoleon und in Deutschland während des Ersten Weltkriegs.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der Inflation und der Weltwirtschaftskrise wollten die Industrieländer ihre Währungen wieder stärken und führten den zeitweise ausgesetzten Goldstandard wieder ein. Dabei konnte aber nur noch ein Teil der gesamten Geldmenge durch Gold gedeckt werden. Bei dieser Form des Goldstandards handelt es sich um eine Goldkernwährung. So verpflichtete sich beispielsweise die Deutsche Reichsbank, die nach der Inflation neu eingeführte Deutsche Reichsmark ständig in einer Höhe von mindestens 40 Prozent gedeckt zu halten.

Der Goldstandard und damit die Golddeckungspflicht der Zentralbanken der westlichen Industrieländer wurde offiziell 1968 aufgehoben. Seit 1974 ist der Goldbesitz in den USA wieder erlaubt.

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